Die Beziehung zwischen einer vermögenden Familie und ihrem oder ihren Privatbankiers ist oft langjährig, gegründet auf persönliches Vertrauen und Kontinuität. Doch in dem Masse, wie das Vermögen komplexer wird und die Erwartungen an Transparenz steigen, rückt die Frage der Unabhängigkeit der Beratung in den Mittelpunkt. Genau in diesem Punkt unterscheidet sich das Multi Family Office grundlegend von der Privatbank.
Das Modell der Privatbank
Die Schweizer Privatbank bietet ein breites Leistungsspektrum: Verwahrung der Vermögenswerte, diskretionäre oder beratende Verwaltung, Lombardkredit, Nachlassplanung, Zugang zu alternativen Anlagen. Diese Leistungen sind unter einem Dach gebündelt, was einen realen Komfort bietet. Dieses integrierte Modell erzeugt jedoch strukturell Interessenkonflikte, die es zu verstehen gilt.
Wenn Ihnen Ihr Bankier ein hauseigenes strukturiertes Produkt, einen internen Fonds oder eine Versicherungslösung empfiehlt, tut er dies als Angestellter eines Instituts, das daraus eine direkte Vergütung zieht. Die Schweizer Regulierung (insbesondere die FIDLEG-Regeln zu Retrozessionen) hat diese Praktiken schrittweise eingehegt, doch die kommerzielle Logik der Bank bleibt bestehen.
Zudem ist die Privatbank definitionsgemäss an ein einziges Institut gebunden: Sie kann Ihnen keine konsolidierte und unabhängige Sicht auf die Gesamtheit Ihrer Vermögenswerte geben, wenn Sie Anlagen bei anderen Instituten halten.
Das Modell des Multi Family Office
Das MFO ist strukturell unabhängig von den Dienstleistern, die es empfiehlt oder beaufsichtigt. Es vertreibt keine Produkte, erhält keine Retrozessionen und hat kein Interesse daran, Ihre Vermögenswerte zu diesem oder jenem Institut zu lenken. Seine Vergütung ist transparent — in der Regel ein festes Honorar oder ein Prozentsatz des betreuten Vermögens — und hängt nicht von Allokationsentscheidungen ab.
Diese Unabhängigkeit zeigt sich konkret in:
- Der Freiheit, die Depotbanken auszuwählen: Das MFO kann empfehlen, Ihre Vermögenswerte auf mehrere Institute zu verteilen, um Sicherheit, Kosten und den Zugang zu spezifischen Kompetenzen zu optimieren.
- Der Freiheit, die Vermögensverwalter auszuwählen: Möchte die Familie die Verwaltung an einen oder mehrere unabhängige Verwalter delegieren, wählt das MFO diese aus, bewertet und überwacht sie ohne Interessenkonflikt.
- Der bankenübergreifenden Konsolidierung: Das vom MFO erstellte Reporting fasst die Positionen aller Institute zu einer einheitlichen Sicht zusammen und ermöglicht so eine Analyse von Performance, Allokation und Risiko auf Ebene des Gesamtvermögens.
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Worin die Privatbank besser ist
Es wäre unzutreffend, die Privatbank als unterlegenen Ansprechpartner darzustellen. Für bestimmte Leistungen verfügt sie über bedeutende strukturelle Vorteile: Zugang zu den Primärmärkten, Kreditkapazität, Devisenlösungen, Derivate, sichere Verwahrung. Das Family Office ersetzt die Bank nicht — es beaufsichtigt sie.
Das robusteste Modell ist oft eine mehrschichtige Organisation: Die Familie wählt eine oder mehrere Depotbanken aus, delegiert die Verwaltung gegebenenfalls an spezialisierte unabhängige Verwalter und beauftragt ein MFO, das Ganze zu koordinieren, das konsolidierte Reporting zu erstellen und die Governance sicherzustellen.
Die Frage der Retrozessionen und der Transparenz
Seit dem Inkrafttreten des FIDLEG im Jahr 2020 sind Schweizer Finanzdienstleister verpflichtet, Retrozessionen offenzulegen und ihren Kunden deren Rückerstattung anzubieten, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Diese regulatorische Entwicklung hat die Transparenz verbessert, doch die grundlegende Frage des strukturellen Interessenkonflikts in einem integrierten Modell hat sie nicht gelöst.
Ein MFO, dessen Geschäftsmodell ausschliesslich auf dem Kunden in Rechnung gestellten Honoraren beruht, ist konstruktionsbedingt mit den Interessen des Kunden ausgerichtet. Es ist diese Ausrichtung — und nicht eine technische Überlegenheit —, die den zentralen differenzierenden Mehrwert ausmacht.
Wie soll man wählen?
Die Frage ist nicht, zwischen Privatbank und Family Office zu wählen, sondern zu verstehen, welche Rolle jedes von beiden in Ihrem Vermögensdispositiv spielt. Wenn Sie eine konsolidierte, unabhängige und dauerhafte Sicht auf Ihr Vermögen wünschen, mit einem Ansprechpartner, der Ihnen kein Produkt zu verkaufen hat, ist das MFO das geeignete Instrument.
Um zu beurteilen, ob ein Dispositiv nach Art eines Multi Family Office für Ihre Situation sinnvoll ist, lädt Ridger Sie zu einem vertraulichen und unverbindlichen Gespräch ein.